Braucht Niedersachsen die Gemeinschaftsschule? Ja! | 10.02.2009
Immer mehr Eltern streben für ihre Kinder einen höheren Schulabschluss an, wenn möglich das Abitur. In Braunschweig beispielsweise besuchen aktuell 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Hauptschule, 20,5 eine Realschule, 51,6 das Gymnasium und 16,3 Prozent eine IGS.
Eltern ziehen damit die Konsequenz aus den Veränderungen auf dem Ausbildungs- und Berufsmarkt und wählen mehr und mehr eine Schule mit "gymnasialer Option". Hinzu kommen sinkende Kinderzahlen aufgrund des demografischen Wandels, die die Schulklassen kleiner werden lassen.
Dies muss zu Änderungen in der Schullandschaft Niedersachsens führen. Kooperative Haupt- und Realschulen, wie sie jetzt von der Landesregierung angestrebt werden, sind nicht der richtige Weg. Sie gehen am Elternwunsch vorbei, weil sie die "gymnasiale Option" eben nicht anbieten.
Deshalb muss eine Zusammenlegung von Hauptschulen und Realschulen auch ein gymnasiales Angebot beinhalten. In Schleswig-Holstein heißt diese Schulform "Gemeinschaftsschule" - wir in Niedersachsen können beim bewährten Begriff "Gesamtschule" bleiben. Diese Schulform kommt nicht nur den Wünschen der Eltern entgegen, sondern wird mehr und mehr auch von den kommunalen Schulträgern gefordert. Dabei ist es ihr erklärtes Ziel, möglichst alle Schulabschlüsse in ihrer Kommune anbieten zu könnten. Das hilft vor allem kleineren Kommunen, ist aber mit einer Kooperativen Haupt- und Realschule nicht möglich - wohl aber mit einer "Gesamtschule".
Schulpolitik ist kein Ort für ideologische Dogmen. Sie muss mit Vernunft und einem Blick für realistische und praktische Lösungen betrieben werden. Die Voten der Eltern und der Kommunen sind realistisch und vernünftig. Wir sollten auf sie hören.
Braunschweiger Zeitung, 10. Februar 2009, Meinung, Seite 4